Das Saacke Carré

Das 1853 von den Gebrüdern Georg Christian und Karl Reinhard Saacke erworbene Areal hat in knapp 160 Jahren eine wechselvolle Geschichte erlebt: Frauenkloster-Garten • Bijouterie-Fabrik • Privatlazarett • Andachtsstätte

 

Doch das Grundstück war über viele Jahrzehnte hinweg stets die zentrumsnahe Heimat für mehrere Generationen der Familie Saacke, die dem Areal ihren historischen Namen gab.

 

Heute ist es attraktives Wohn- und Geschäftsareal mitten im Herzen Pforzheims.

Ein städtebauliches Highlight – vom Park zum Lebensmittelpunkt

1785 – 1892

1785

Ursprünglich im Besitz des Frauenklosters Pforzheim, kauft der Pforzheimer Handelsherr Daniel Konrad Wohnlich den Garten sowie sich nördlich daran anschließende kleinere Parzellen.

Daniel Konrad Wohnlich baut darauf sein Wohnhaus, legt einen fürstlichen Park an, der weit über die Stadtgrenzen Pforzheims bekannt wird und erbaut mitten in den Park ein wunderschönes, klassizistisches Gartenhaus.

 

Dieses klassizistische Gartenhaus gilt als das stilreinste und schönste Baudenkmal Alt-Pforzheims.

 

Wohnlich verkauft das Areal im Jahr 1801 und das Gelände erfährt einen mehrfachen Wechsel.

1853

Die Brüder Karl Reinhard und Georg Christian Friedrich Saacke, Besitzer einer Pforzheimer Bijouteriefabrik, erwerben am 22. August für 24 000 Gulden das Areal in der Innenstadt.

Ihre Bijouteriefabrik gehört zu den bedeutendsten Betrieben der Stadt.

Der Park wird der Schauplatz eines glücklichen und harmonischen Familienlebens.

Der große Pforzheimer Heimatforscher Oskar Trost bezeichnet den wunderschönen Saacke’schen Park gar als „eine Welt für sich“ und der prächtige Garten mit dem feinen, stilreinen Gartenpavillon lässt ihn regelrecht ins Schwärmen geraten.

1857

Die Gebrüder Saacke kaufen noch die Häuser Bahnhofstraße 9 und 11 und bauen sie zusammen zu einem großen Haus aus.

1860

Nach dem Tod von Karl Reinhardt Saacke wird sein Bruder Georg Christian Saacke alleiniger Besitzer der Firma und des Grundstücks.

1863

Georg Saacke erwirbt von der Familie Kiehnle noch ein Stück Land, auf dem später die Saacke’sche Farbrik erbaut wird.

Reichte einst der Besitz der Familie Saacke bis über die Bahnlinie hinweg, erfolgt durch die Luisenstraße ein großer Eingriff in das Areal:

Die Luisenstraße wird mitten durch den Park gelegt, der Park wird dadurch in zwei Teile zerschnitten.

1869

Die Württembergische Bahnverwaltung erwirbt den nördlichen Teil des abgetrennten Gartens für die Strecke nach Wildbad und Calw.

1870

Während des Krieges mit Frankreich 1870/1871 lässt Georg Christian Saacke im Gartensaal ein Privatlazarett einrichten und auf seine Kosten verwundete und kranke deutsche Soldaten pflegen.

Und über viele Jahrzehnte dient der Gartensaal der „Hahn’schen Gemeinschaft“ als Andachtsstätte.

1877

Die Postverwaltung kauft einen großen Teil des Geländes an der Luisenstraße für das Kaiserliche Reichspostamt.

1879

Nach dem Tod von Georg Christian Saacke übernehmen seine drei Söhne Karl Julius, Paul und Imanuel Saacke das väterliche Besitztum.

1892

Die Brüder Karl Julius und Paul Saacke kaufen eine Werkzeugfabrik in Pforzheim auf und legen mit Gründung der Firma „Gebrüder Sacke“ den Grundstein für ein weltweit erfolgreiches Unternehmen.

Damals auf dem Saacke’schen Anwesen ansässig, befindet sich der Stammsitz der Firma Gebr. Saacke GmbH & Co KG heute in Pforzheim-Eutingen.

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1929 – 1981

1929

Mit dem Bau der Kiehnlestraße sowie einem erneuten Kauf der Post für ein neues Fernsprechamt, wird das Saacke’sche Anwesen erneut stark beschnitten, wieder wird ein großes nördliches Stück des Gartens verkauft.

Oskar Trost: „Noch immer war der Rest des Parks ein stattlicher Besitztum und eine wahre Insel des Friedens inmitten des Treibens der großen Stadt.“

Doch die Erfordernisse des zunehmenden Verkehrs drängen zu einer Neugestaltung der Bahnhofstraße.

1945

23. Februar 1945 – die große Zerstörung.

Auch das Saacke’sche Anwesen fällt dem verheerender Luftangriff auf Pforzheim zum Opfer. Innerhalb weniger Minuten werden sämtliche Gebäude in Schutt und Asche gelegt.

„Der schöne Park war zu einer Wüstenei geworden, in welcher kaum mehr ein Baum zu sehen war“, schrieb Oskar Trost.

Gleichzeitig blickte er in die Zukunft: „Nun war die Möglichkeit gegeben, diesen wichtigen Zugang vom Bahnhof zur Innenstadt in großzügiger Weise zu gestalten.

Diese Überlegungen teilt auch das Pforzheimer Rathaus, das hier eine zentrale Abfahrtsstelle plant „um eine wichtige Verkehrsaufgabe zu erfüllen“: das Bündeln sämtlicher von Pforzheim abgehender Buslinien.

Angedacht werden überdachte Bahnsteige in Verbindung mit Grünanlagen sowie einer geschmackvollen Randbebauung (Verkaufsstätten etc.).

1951

Ein Idyll weicht dem Verkehr – Verbreiterung der Bahnhofstraße.

1953

Neubau Saacke-Areal

Anfang der 1950er-Jahre wagt die Saacke’sche Erbengemeinschaft den Neubeginn und beauftragt für den Aufbau des neu zu gestaltenden Areals den renommierten Architekten Prof. Otto Bartning (Karlsruhe, Berlin, Darmstadt).

 

Bild: Architekturmodell von Prof. D. Dr. Otto Bartning und Dipl.-Ing. O. Dörzbach

„Das Bau-Experiment an der Bahnhofstraße“ titelte die PZ im August 1953. Denn: „Wohl keines der großen Pforzheimer Bauvorhaben der Nachkriegszeit löst so lebhafte Widersprüche aus wie die Bebauung des Dreiecks zwischen Bahnhofstraße, Poststraße und Kiehnlestraße. Der Plan eines lose aufgelockerten Wohnblocks entlang der Bahnhofstraße, die als repräsentativer Zugang zum Stadtzentrum städtebaulich besonders exponiert ist, hat von vielen Seiten lebhafte Kritik gefunden.“

Anstatt den traditionellen Auffassungen des vergangenen Städtebaus zu folgen, Straßen müssten steinerne Schluchten sein, die auf beiden Seiten von einer gleichbleibenden hohen Häuserwand eingefasst sind, überrascht Architekt Prof. Otto Bartning mit einem modernen Entwurf.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Otto Dörzbach lässt er drei schräggestellte Blocks nur mit der Ecke der Schmalseite an die Straße stoßen. Dadurch zieht die Sonne in alle Winkel des gesamten Blocks bis zu den rückwärtigen Gebäuden – ohne spitze Dächer mit ausgebauten Dachgeschossen, die doch nur ungenügenden Wohnraum bieten, ohne Erker und Giebel.

An diese drei schräg gestellten Baublocks schließen jeweils ein kurzer, vierstöckiger Bau an, denen eine zweistöckige Ladenbebauung folgt.

So entsteht statt einer hochgeschossigen Fassade eine außergewöhnliche, richtungsweisende Architekturlösung.

Bauherr ist die Saacke KG: gegründet am 28.06.1953, bestehend aus 10 Erben des alten Familienbesitzes.

1954

3. Mai 1954

Richtfest des ersten Bauabschnitts (68 Wohnungen) des Saacke-Areals.

Das Gelände wird für den dringend benötigten sozialen Wohnungsbau genutzt.

Wohnbau in den Zentren der Städte zu errichten, ist ein besonderes Anliegen des Bundeswohnungsministeriums. Wohnungen nahe der Arbeitsstätten zu schaffen und das bauliche Bild der Stadt Pforzheim, einer wirtschaftlich so bedeutenden Stadt, wieder herstellen.

Denn mehrere Tausend Pforzheimer sind nach der Bombardierung noch evakuiert und sollen durch Wohnstätten wieder in die Stadt gebracht werden.

Die Idylle des Saacke’schen Parks und des reizenden Pavillons sind realeren und praktischeren Überlegungen gewichen.

1956

Errichtung der Badischen Bank als Krönung eines modernen Bau-Dreiecks.

8. Juni 1956: Richtfest Gebäude Badische Bank.

Für den Bau des Bankgebäudes werden ebenfalls die Architekten Bartning und Dötzbach beauftragt, die bereits die übrigen Bauten auf dem Saacke’schen Gelände erstellt haben.

Der Bankbau bildet den Abschluss und die Krönung des modernen Bauten-Dreiecks zwischen Post- und Bahnhofstraße.

Ende 1957 wird das Bankgebäude fertiggestellt und prägt mit seinem Kopf mit der geschwungenen Fassade das Stadtbild am Leopoldplatz.

1964

1968

Das Pforzheimer Reise- und Verkehrsbüro eröffnet in den neuen und modernen Geschäftsräumen in der Bahnhofstraße 9 im Saacke-Bau.

1971

Richtfest der Tiefgarage unter dem Saacke-Bau.

Bauherr Georg Saacke hilft, die Parkraumnot in Pforzheim zu beheben und errichtet eine dreistöckige Tiefgarage unter dem Saacke-Bau.

Mangel an Parkraum gibt es auch bei den Mietern der 110 Wohnungen, 30 Läden und Büros im Saacke-Bau.

1982

Christine Schmitt, geborene Saacke, übernimmt die Geschäftsleitung der Saacke-Bau GmbH & Co. KG.

Saacke Carré Luftaufnahme 1983

2000 – Heute

2003

Neugestaltung des Saacke-Carrés – zeitgemäße Fassadensanierung und -gestaltung.

Parallel zu der von der Stadt Pforzheim neu gestalteten Bahnhofstraße, investiert auch Saacke-Bau in die Sanierung der eigenen Gebäude.

Nach zwei Jahren Umbauzeit präsentiert sich ein attraktives Bild: neue Fassaden aus Buntsandstein, neue Schaufensteranlagen und einheitliche, großzügige Glasüberdachungen in der Bahnhofstraße.

Mit Abschluss der Sanierungsarbeiten gibt Christine Schmitt, Geschäftsführerin der Saacke-Bau GmbH, den neuen Namen des Innenstadt-Areals bekannt: Saacke-Carré.

2006

Umbau und Erweiterung der Pforzheimer Reisebüro GmbH.

Insgesamt investieren die Pforzheimer Reisebüro GmbH und die Firma Saacke Bau GmbH 350 000 Euro in den Um- und Ausbau sowie die Einrichtung des Obergeschosses.

2008

Geplanter Abriss des Bankgebäudes.

Das Gebäude der BW-Bank bildet den Abschluss des Saacke-Areals und ist ein markanter Vertreter der Nachkriegsarchitektur.
Mit dem Abriss wird ein Stück Pforzheim der 50-erJahre, der Zeit des Wiederaufbaus, verschwinden.

Die damalige Badische Bank hatte zum Jahreswechsel 1956/57 ihr neues repräsentatives Bankhaus im Herzen der Stadt bezogen.

Die Saacke-Bau GmbH begrüßt den Neubau der BW-Bank. Das Bild Pforzheims verändert sich und wird zukunftsfähig.

2012

In das Saacke Carré wird kräftig investiert – ein attraktives Stadtviertel

„Die Zukunft von heute ist die Gegenwart von morgen.“
Die Saacke-Bau GmbH lebt dieses Motto seit vielen Jahrzehnten im Saacke-Carré und sieht darin ihren Beitrag für die Innenstadt Pforzheims.

Es werden zahlreichen Maßnahmen getroffen, um die Qualität des Gebäudebestands stets auf höchstem Niveau zu halten.

Schwerpunkte der Investitionen liegen vor allem in der Vollwärmeschutz-Sanierung, damit die Mieter von niedrigeren Heizkostenabrechnungen profitieren.
Was 2003 in der Bahnhofstraße mit einer Wärmedammverbund-Fassade begann, wurde auch an der Poststraße 6,8 und 10 sowie an der Kiehnlestraße 26 fortgesetzt.

Ein weiterer Schwerpunkt wird in die Wohnungssanierungen gesetzt, um attraktives Wohnen in der Innenstadt zu bieten.
Sukzessive werden die 95 Wohnungen, die über verschiedene Gebäude verteilt sind, saniert und auf den neuesten Standard gebracht.

Es gilt dabei, die Idee des Architekten Otto Bartning zu bewahren und das Gebäude in seinem Sinne der Moderne anpassen.
Alle Investitionen haben das Ziel der nachhaltigen Erhaltung der Gebäudesubstanz.

2015

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